Trespassing Teil 1 und 2
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Einleitung

Das Ausstellungsprojekt Trespassing – Konturen räumlichen Handelns diskutiert Ansätze, die Architektur als gestaltende, kulturelle, soziale und politische Praxis begreifen. Charakteristisch für die gegenwärtige Architekturproduktion ist die Entwicklung neuer Aufgabenstellungen, Arbeitsweisen und Organisationsformen, die es unmöglich machen, Architektur weiterhin als "ganzheitliche", anderen Disziplinen gegenüber abgegrenzte Tätigkeit aufzufassen. Die heutige Architekturpraxis ist zunehmend von kleinen, selbstständigen, operativen Einheiten geprägt, die in sehr dichten Netzwerken, in wechselhaften Verbunden, vielfach transdisziplinär, zum Teil nomadisch und transnational agieren. Multiple Autorenschaft, das gemeinsame Verfügen über technisches Know-how und Infrastruktur, Updates via kollektiver Netzwerke, der Austausch von disziplinenübergreifenden Kenntnissen und Auftragsbereichen werden begleitet von starker individueller Ausdifferenzierung und einem hohen Spezialisierungsgrad.

Die neue Operationalität impliziert auch inhaltliche Re-Orientierungen. Die einzelnen architektonischen Ansätze können kaum mehr übergeordneten stilistischen, theoretischen oder ideologischen Strömungen zugeordnet werden. Welche Strategien entwickeln ArchitektInnen in einer Situation, in der sie nur noch partikuläre Relevanzen und nicht mehr die Erfindung utopischer Entitäten beanspruchen können, um in aktive Haltungen hineinzufinden? Wie wird seitens kleinerer Teams, mit entsprechend beschränkter Kapazität, auf zunehmend komplexere Aufgabenstellungen reagiert, ohne zu reinen DienstleisterInnen für einen diversifizierten Architekturmarkt zu werden oder der Konstruktion kurzlebiger Trends und "Brands" zu erliegen? Wie wird der Raum als sozialer, als medialer, als privater und kollektiver, als prozesshafter, als integrativer und daher konfliktfähiger Raum gedacht, modelliert?

Trespassing – Konturen räumlichen Handelns nähert sich diesen Fragestellungen, indem es ein ProduzentInnenforum etabliert und Potenziale heutiger Produktionsbedingungen untersucht. Bereits im Vorfeld der Ausstellung wurden Strategien, Vorgangsweisen und Inhalte in Ateliergesprächen reflektiert und auf einem gemeinsamen Workshop mit TheoretikerInnen aus verschiedenen Fachbereichen diskutiert. Dieses mehrstufige Recherche- und Feedbackverfahren legt die Basis für die gemeinsam entwickelte Ausstellung in der Secession.

In der Ausstellung zeigt sich die spezifische Arbeitsweise der beteiligten ArchitektInnen/Teams auf zwei verschiedenen Ebenen: zum einen in der Realisierung der Ausstellungsgestaltung, zum anderen in der Präsentation bestehender Projekte als Arbeitsarchive. Das für die Ausstellung benötigte Display wurde in seinen Elementen arbeitsteilig von den beteiligten Teams entworfen, wechselseitig verhandelt und weiterentwickelt. Die verschiedenen, miteinander korrespondierenden Projekte umfassen unter anderem eine Text- und Videobibliothek, eine Lounge und diverse Kommunikationsplattformen ebenso wie die Entwicklung eines Leitsystems für die BesucherInnen oder die Entwicklung von sowohl topografischen als auch konzeptionellen Schnittstellen zwischen der Secession und dem öffentlichen/medialen Raum. Zugleich Beispiel individueller Positionsbestimmung als auch Resultat der Zusammenarbeit verweisen die Projekte in ihrer Gesamtheit auf zwei Tendenzen der heutigen Architekturproduktion: die Fragmentarisierung der Disziplin und die zeitgleiche (Suche nach) Vernetzung der einzelnen ArchitektInnen/Teams. Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen experimenteller künstlerischer Intervention und funktionaler Aufgabenstellung oszillieren sie zwischen kohärenten Teilwelten und dienstleistendem Dasein.

Die Spezifika der einzelnen Herangehensweisen an architektonische Fragestellungen bestimmen auch die Auswahl der bestehenden Projekte und Archivmaterialien der ArchitektInnen/Teams. Im Gegensatz zu herkömmlichen Projektpräsentationen wird nicht die Vermittlung von Ergebnissen in den Vordergrund gestellt, sondern bewusst die Prozessdokumentation und die Heterogenität favorisiert, um auf tiefer liegende Parallelen der Produktion, wie z.B. die Überschreitung in andere Disziplinen, zu verweisen. Auf diese Weise zeichnet die Ausstellung nicht nur Spuren einer sich kontinuierlich verändernden, fragmentierten Architekturlandschaft nach, sondern schärft auch den Blick für Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge.

Konzept: Angelika Fitz und Sandrine von Klot

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TeilnehmerInnen
(mit Links zu den individuellen Webpages)

Mit: con: (Wien), C2S2 (Innsbruck), FAT ltd (London), the next ENTERprise (Wien), offshore (Amsterdam), PAUHOF (Wien), Schie 2.0 (Rotterdam), SPLITTERWERK (Graz), Klaus Stattmann (Wien), Wolfgang Tschapeller (Wien)