Wohnbau Auer-Welsbach-Straße 63, Bauteil 1
 
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Der verschränkte Raum

Bei diesem sozialen Wohnbau werden die auf mehreren Etagen unregelmäßig verteilten Wohnungsteile durch interne Treppen verbunden. Der Kunstgriff besteht darin, zwei Treppenhäuser wie die Chromosomenstränge einer DNA Doppelhelix ineinander zu verschränken und gleichzeitig funktional zu separieren. Als Folge dieser Verschränkung der Treppenläufe entsteht analog zum Loos’schen Raumplan, der sonst nur Einfamilienvillen erschließt, ein großzügiger "Sozialer Wohnplan". Die unabhängig erschlossenen Wohneinheiten sind wie Körperglieder bei einem komplizierten Yoga-Assana ineinander verschlungen und erlangen in der Verrenkung Ruhe und Gelassenheit.

Adresse / address:
1230 Wien, Auer-Welsbach-Straße 63, Österreich / Austria
Auftraggeber / client: EBG, Gemeinnützige Ein- und Mehrfamilienhäuser
Baugenossenschaft
Architekt / architect: Klaus Stattmann, BT 1
Wettbewerb / competition: Sept. 2003, 1. Preis / 1st Prize
Bauträger Auswahlverfahren: Team BT 1-6

BT 1: Klaus Stattmann,

BT 2: the next ENTERprise, BT 3: Sandrine von Klot,
BT 4: Nicole David, BT 5: Juri Troy, BT 6: Schauer – Schläffer - Schmoeger
Mitarbeiter / team: Arch. Andreas Wohofsky
Statik / structural engineering: Dipl. Ing. Erwin. Größ, Mischek Ziviltechniker Ges.m.b.H.
Bauphysik / building-related physics: Dipl. Ing. M. F. Tichelmann, Mischek
Ziviltechniker Ges.m.b.H.
Haustechnik / HVAC: Dipl. Ing. E. Fiala, Mischek Ziviltechniker Ges.m.b.H
Landschaftsplanung / landscaping: 3:0 Landschaftsarchitektur
Bebaute Fläche / footprint: 148,15 m2
Nutzfläche / floor area: 356,30 m2 + 99,90 m2 EG Atelier



"Jede Stunde, die verstreicht, bringt das Sonnensystem
dem Globularhaufen M 13 im Herkules dreiundvierzigtausend
Meilen näher – und trotzdem gibt es immer noch ein paar komische Vögel, die behaupten, so etwas wie Fortschritt gäbe es nicht."

[ Ransom K. Fern ]


"Der verschränkte Raum"

Im Grunde genommen ist im Sozialen Wohnbau das Treppenhaus ein Raum, der dem "Öffentlichen Raum" zugeordnet wird. Es dient zur Erschließung einzelner, übereinander gelagerter Wohneinheiten und ermöglicht ein ungestörtes Kommen und Gehen, ohne die privaten Sphären der Anderen zu tangieren oder zu durchqueren. Beim "Bauteil 1" der Wohnanlage in der Auer-Welsbachstrasse 63, in Wien 1230, fungiert das Treppenhaus als eine interne Treppe, so wie es nur bei den Einfamilienvillen von Adolf Loos der Fall ist. Die Überschreitung der Loos´schen Raumkonzeption besteht bei diesem Projekt darin, zwei an sich unabhängige Treppen(ver)läufe, wie die Chromosomenstränge bei der Doppelhelix der DNA, ineinander zu verschränken und funktional zu separieren. Als Folge dieser gegenläufigen Verschränkung der Treppenläufe entsteht ein "Erweiterter Sozialer Wohnplan" im Sinne des Loos´schen Raumplanes. Am Äußeren des "Bauteil 1" ist von dieser komplexen Verschränkung und Verrenkung der einzelnen Wohneinheiten fast nichts zu bemerken. Wie ein Yoga-Guru ruht das schlichte Haus auf einem Fels zusammengekauert ganz in sich selbst und läst das aufgeregte Treiben der äußeren Welt unberührt an sich vorüberziehen. Die drei unabhängig erschlossenen Wohneinheiten sind wie Körperglieder bei einem komplizierten Yoga-Assana ineinander verschlungen ohne jedoch direkt miteinander in Beziehung zu treten. Der Anspannung im Inneren des Baukörpergefüges folgt die Ruhe und Gelassenheit in seinem Äußeren - an dessen Fassade nur durch eine angedeutete Schattenaura die komplexe Verschlingung der Räume erahnbar gemacht ist. Die Schmerzen der Auflagen und Bestimmungen der Wiener Bauordnung, sowie deren rein wirtschaftlich argumentierte Einschränkungen an einen Sozialen Wohnbau, habe ich wie ein Yogi nach jahrelangen Übungen ohne Schmerzen hingenommen und überwunden.

[Text: Klaus Stattmann]