Um- und Zubau zu einem Landhaus
  Skizze
Platzhalter
Westansicht
Platzhalter
Südwestansicht
Platzhalter
Südansicht
Platzhalter
Platzhalter zur Bildergalerie Bildergalerie

ENGLISH VERSION see below ...

Um- und Zubau des Landhauses Dr. E. Kinsky (in Fertigstellung)
Koproduktion von Klaus Stattmann + Ernst J. Fuchs

"Wir sind in einem Außen, das Innenwelten trägt."
(Peter Sloterdijk)

Bauplatz
Das Grundstück liegt an einem Nord-Süd-Hang in den Ausläufern des Wienerwaldes in Niederösterreich. Es ist als Grünlandgebiet gewidmet und beinhaltet bereits ein altes Haus mit umgebendem Obstgarten. Auflage der Bauordnung war es, das bestehende Gebäude zu integrieren und das Landschaftsbild, das geprägt ist von sanften Wiesen mit verstreuten Baumgruppierungen, besonders zu berücksichtigen.

Entwurfskonzept
Dem bestehenden Ensemble/System ‚Altes Haus + Obstgarten’ wird eine mimetische Bauplastik in Form einer artifiziellen Baumsphäre hinzugefügt, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Das alte Haus bleibt in seiner Maßstäblichkeit erhalten, der Obstgarten wird durch eine bewohnbare Baumsphäre erweitert.
Im Systemfall ‚Bauteil-Bauteil’ gliedert sich das Gebäude in 3 Systeme: das ‚Alte Haus’ mit traditioneller Raumorganisation, die ‚Baumsphäre’ als zu erobernde, umständliche Landschaft mit unbestimmten Benutzungsvorgaben und das ‚Verschwundene Wohnzimmer’ zwischen bestehender Gartenoberfläche und Baumsphäre. Zwischen diesen 3 Subsystemen mit jeweils spezifischen Raumqualitäten kann Herr Kinsky hin und her wechseln wie ein Valenzelektron in einem Orbitalsystem, in dem sich beim Wechsel der Position der Elektronen auch die chemischen Eigenschaften des Elementes ändern.
Im Systemfall ‚Haus-Landschaft’ bildet die künstliche Baumkrone aus der Ferne eine Ergänzung des Systems Obstgarten (Baum in Relation zu Baum) und somit eine erwartete Komponente im Sinne eines konstitutiven Elementes der umgebenden Landschaft. Erst beim Nähertreten und Überschreiten der identifikatorischen Distanz transformiert sich der Baum in ein Haus, wird Natur zu Kultur.

Kommentar: Sich ständig neu entwerfen
"Für uns ist der Mensch vor allem durch das Überschreiten einer Situation gekennzeichnet, durch das, was ihm aus dem zu machen gelingt, was man aus ihm gemacht hat, selbst wenn er sich niemals in seiner Vergegenständlichung erkennt ... selbst das rudimentärste Verhalten muss sich zugleich mit Bezug auf reale, vorliegende Faktoren, die es bedingen, und mit Bezug auf ein bestimmtes zukünftiges Objekt, das es entstehen zu lassen sucht, bestimmen. Das aber nennen wir Entwurf." (J. P. Sartre)
Die in ihrem Kern am Handeln orientierte Theorie Sartres vermittelt eine Auffassung von der menschlichen Realität als einem Für-sich-sein, dessen Sein Tätigkeit oder Tun ist. In Anknüpfung daran versteht sich das Haus Kinsky als eine paradoxe Überlagerung von mehreren performativen Systemen außerhalb und innerhalb des Gebäudes, die einander nicht auslöschen, wohl aber das transformative Potential seiner Beobachter/Benutzer herausfordern.


ENGLISH VERSION:

"Kinsky House"

Conversion of and addition to the country house of Dr. E. Kinsky (under construction)
Co-production by Klaus Stattmann + Ernst J. Fuchs

"We are in an exterior that bears interior worlds."
(Peter Sloterdijk)

Building Site
The property lies on a north-south slope in the fringes of the Vienna Woods in Lower Austria. It is zoned as greenland and includes an old house with surrounding orchard. A specification of the Building Regulations was to integrate the existing building and take the landscape, which is characterized by gently rolling meadows with scattered groups of trees, into particular account.

Design Concept
The existing ensemble/system ‘old house + orchard’ is supplemented by a mimetic architectural sculpture in the form of an artificial tree sphere, which only discloses itself when one looks at it more closely. The proportions of the old house are retained; the orchard is extended by a habitable tree sphere.
In terms of its structural elements, the building consists of three systems: the ‘old house’, with traditional spatial organization; the ‘tree sphere’, as a complicated, yet-to-be-conquered landscape with unspecified uses; and the ‘hidden living room’ between the existing garden surface and the tree sphere. Dr. Kinsky can move back and forth between these 3 subsystems, each of which has its own specific spatial qualities, like a valence electron in an orbital system, in which each change of position of the electrons causes a change in the chemical properties of the element.
In the ‘house-landscape’ system, the artificial treetop, from afar, forms a supplement to the orchard system (tree in relation to tree) and is thus an expected component, being a constitutive element of the surrounding landscape. It is only when one comes closer and crosses the identificational boundary that the tree transforms itself into a house; nature becomes culture.

Text: Klaus Stattmann
Fotos: Hans Nevidal