Lastverteiler & Präturminator
  Städtebau
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Lastverteiler:
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Präturminator
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Wettbewerbsbeitrag für die Vorplatzgestaltung des
Museums Quartiers Wien 7, 2003

”Wo das Welterbengetue zur architektonischen Entziehungskur gerät, wächst der Boden für kulturelle Handlungsunfähigkeit: nun höre...”.

In Wien ist die Diskussion über die Höhe von Gebäuden und deren Erscheinungsmöglichkeiten zu einer Last geworden, der zuständige politische Entscheidungsträger und meinungsbildende Medien nicht mehr gewachsen sind. Diese belastende Genealogie bildet gemeinsam mit erschwerten statischen Bedingungen aufgrund einer Tiefgarage die Ausgangssituation für diesen Wettbewerb. Um die Schwerlasten physisch und psychisch dynamisch abzu-leiten, sieht das Konzept die Verteilung von Lastverteilern sowie die temporäre Aufstellung einer performativen Turmstruktur, des Präturminators, vor.

Lastverteiler:
Lastverteiler sind bespielbare oberirdische Fundamente, welche die Aufstellung und Anbringung von Leitsystemen, Werbebannern, Plakatwänden, Projektionsflächen und architektonischer Signalträger erst möglich machen. Es sind transformative Adaptoren für noch unbekannte, wechselnde räumliche Eingriffe, die variabel über die Geschehnisse innerhalb des Museumsquartiers informieren werden.

Präturminator:
Um die architektonisch verschüchterte Bevölkerung und die ebenso nervenschwachen Touristen an den vorgesehenen Ortner-Turm zu gewöhnen, tritt der performative Turm Präturminator in Erscheinung. Er hat die Funktion eines guten Geistes oder eines Maskottchens, das die Architekturverhinderer milde stimmen soll. Seiner engelhaften Erscheinung nach ist er ein Zeichen reinen guten Willens, das am Vorplatz die Dimension von turmartigen Gebäuden darstellen soll wie ein Pantomime. Wie ein Yoga-Guru wird er sich umständlich krümmen und anstrengen, damit alle sehen wie ernst er es meint. Passanten werden vorbeikommen und mit offenen Mündern stehen bleiben und feststellen: Er ist doch ein Guter! Kindern und Eltern wird kein Haar gekrümmt werden und sogar Hunde werden vor Freude nicht mehr auf den Vorplatz kacken.

Städtebau:
Durch die bewusst provozierte "erhöhte Umständlichkeit" im Bereich des Vorplatzgeländes werden vorbeistressende Menschen verlangsamt und ihrer alltäglichen Effizienzgetriebenheit entrückt. Kunst, alte Architektur, neue Architektur, Veranstaltungsankündigungen und Menschen "verfangen" sich am neuen Vorplatz wie bunte Fische in einem Riff. Wie Nebel dringen die Spuren der vielfältigen Aktiväten aus den Ritzen des Museumsquartiers und schweben über den Vorplatz in die Stadt. Nicht eine zum Weltkulturerben-Kniefall gewordene Architekturverflachung, sondern Lastverteiler und ein Turm tun not.

(Text: Klaus Stattmann)